#AuchIch – für eine aufrichtige Auseinandersetzung von Männern mit Sexismus

24 Okt 16
Nicolas Zogg
5 Kommentare

Man(n) muss kein Feminist sein, um Sexismus scheisse zu finden. Es reicht die einfache Einsicht: Ganz egal, ob Männer und Frauen «gleich» sind, gleichwertig sind wir in jedem Fall.

Du benimmst dich anständig, sagst Dinge wie «Ich respektiere die Frauen» und glaubst, damit seist du fein raus? Irrtum! Männliche Verantwortung gegen Sexismus beginnt lange bevor du selbst sexistisch handelst.

Das ist unfair, denn du selbst hast ja keine Privilegien und willst dir auch keine Erbschuld aufbürden lassen? So einfach ist es nicht. Als Männer haben wir Privilegien, ob wir sie wollen oder nicht. Wir haben allen voran das Privileg, uns in der Illusion sonnen zu können, unsere eigene Perspektive sei der Normalfall, die gesellschaftliche Mitte, die reine Vernunft. Und was Frauen und andere «Minderheiten» denken, können wir dann «interessant» oder «auch wichtig» finden, es bleibt immer eine Abweichung vom Nullpunkt, der durch unseren Standpunkt vorgegeben ist.

Wenn du kein Patriarsch sein willst, dann gibt’s nur eins: Hinschauen, bis es weh tut. Denn wenn es nicht weh tut, hältst du dich noch immer in der Komfortzone auf, dort wo du glaubst, irgendwie halt trotz allem dann doch noch ein gott- oder naturgegebenes Vorrecht in Anspruch nehmen zu können. Sorry, dieses Spiel ist vorbei.

#auchich bin als Mensch geboren und zum «Mann» gemacht worden
#auchich habe irgendwann zu glauben begonnen, unsere Perspektive sei entscheidend
#auchich bin ein anständiger Kerl und nerve mich, dass das immer noch nicht reicht
#auchich denke manchmal, jetzt halt doch die Fresse mit deinem Minderheitenzeugs
#auchich habe Angst, nur ich zu sein

Jungs, jetzt haben wir 40 Jahre weibliche Emanzipation ausgesessen, ohne uns wirklich damit zu befassen oder uns zu bewegen. Wir haben vielleicht nachgegeben oder zumindest so getan. Aber wir haben es versäumt, echten Respekt zu zeigen, indem wir uns all diese Fragen wirklich nahe hätten kommen lassen. Die Schonfrist ist vorbei.

Lasst uns in Würde vom Sockel treten, von dem wir sowieso gestossen werden. Lasst uns mit Respekt der Angst in die Augen schauen, die uns davor abhält. Lasst uns mit Stolz den Schmerz ertragen, den unsere Väter und Grossväter nicht zu ertragen wagten. Lasst uns mit Freude erkunden, was möglich wird, wenn wir in unserem tiefsten Inneren die Einsicht zulassen: #auchich bin nur ein Mensch.

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Kommentare

Das Engagement von Maenner.ch finde ich eigentlich sehr gut. Doch der Autor dieses Artikels macht meiner Auffassung nach den Fehler, die Verantwortung für ein respektvolles Miteinander einseitig auf die Schultern des einen Geschlechts zu laden, statt Ideen für ein respektvolles Miteinander für alle, unabhängig vom Geschlecht anzubieten.
Der im folgenden Facebook-Post der Autorin Jasmin Newman geteilte Artikel nimmt sich dieser Thematik (anlässlich der in Australien wegen Einseitigkeit in Kritik geratenen Unterrichtsmaterialien zur Förderung des respektvollen Miteinanders an Schulen) auf konstruktive Weise an: https://www.facebook.com/jasmin.newman.7/posts/10207354478033626
Es würde mich freuen, auf Maenner.ch einen Artikel mit Ideen für ein respektvolles Miteinander unabhängig vom Geschlecht zu lesen, der traditionelle Geschechterrollen hinter sich lässt, statt sie neu zu beleben.

Danke Marc für diesen guten Hinweis und den interessanten Link. Auf der persönlichen Ebene bin ich verantwortlich für meine Haltungen und meine Handlungen. Und Beziehungen, in denen alle Beteiligten ihre Verantwortung wahrnehmen, erlebe ich als wertvoll. Und daraus entsteht auch eine gemeinsame Verantwortung für die Verbindung.

Auf der gesellschaftlichen Ebene sehe ich das sehr ähnlich. Wir von männer.ch sehen uns ein Stück weit mitverantwortlich für kollektive männliche Denk- und Handlungsweisen. Bei diesem Blogbeitrag geht es nur darum - nämlich um die kollektive männliche Verantwortung für männliche Denk- und Handlungsweisen. Dies als erster, aber entscheidender Schritt. Für ein respektvolles Miteinander braucht es selbstverständlich weitere Schritte, und da sehen wir ebenfalls alle in der Verantwortung.

Hallo Nicolas,
du erkennst klar die Illusion, dass deine Perspektive der Normalfall ist.
Genau diese Perspektive aber brauchst du umgehend wieder, um von dir pauschal auf "uns" Männer zu schliessen.
Echten Respekt hast du versäumt, schreibst du, und projizierst auch diese Klage auf "uns Jungs".

Mit Stolz Schmerz ertragen. Der Angst in die Augen schauen.
Nicolas, solche Worte hörten schon Millionen unserer Vorväter als Soldaten.Und viele von ihnen ertrugen wohl mehr, als du und ich uns vorstellen können.

Egal, wer dich auf den Sockel gestellt hat - verlass ihn einfach.Brauchst nicht mal Würde dafür.
Erleichterung genügt.
Tote Fische schwimmen mit dem Strom, lebendige dagegen.
Ich wünsche dir Freude am Mensch sein.
Als Mann.

Herzlich
Roland

Was mir gerade noch gefehlt hat, ist eine stramm-feminsitische Männerorganisation, welche in die gleiche Kerbe haut, wie die Feministinnen und alles auf eine Täter-Opfer-Hierarchie festnagelt. Ist es wirklich so schwer von ALLEN Menschen Respekt für ALLE einzufordern? Wäre dann nicht auch der "Fall Mann-respektiert-Frau" automatisch mit abgedeckt; aber alle anderen Fälle eben auch. Bringt es wirklich was, die Gesellschaft noch länger fein säuberlich nach Geschlecht zu trennen und unterschiedliche Standards und Verhaltensweisen zu fordern? Genau das macht der Artikel nämlich. Enttäuschend!

Ich finde den Artikel super! Vielen Dank dafür!