Gemeinsame elterliche Sorge im Regelfall auf der Zielgerade
Die offizielle Medienmitteilung findet sich hier.
männer.ch nimmt erfreut zur Kenntnis, dass der achtjährige Erarbeitungsprozess nun endlich auf die Zielgerade einbiegt. Die Vorlage des Bundesrates findet grösstenteils unsere Zustimmung. männer.ch fordert grundsätzlich, dass bei Trennung und Scheidung Anreize für eine einvernehmliche Reorganisation des familiären Systems unter neuen Vorzeichen im Vordergrund stehen – und nicht wie heute elterliche Machtkämpfe durch die gesetzliche Regelung provoziert werden.
Die Vorlage des Bundesrats bringt diesbezüglich einen echten Fortschritt. Neu wird die Beweislast umgekehrt: Die gemeinsame elterliche Sorge wird zum Regelfall, die alleinige elterliche Sorge zur Ausnahme, die von dem Elternteil begründet werden muss, der die alleinige Sorge fordert. Auch die Gleichbehandlung von Verheirateten und Unverheirateten begrüssen wir sehr. Aus Sicht von männer.ch ist die Vorlage pragmatisch und auch im Alltag umsetzbar. Sie trägt dem Umstand Rechnung, dass Eltern Eltern bleiben, auch wenn sie sich als Liebespaar trennen – und Kinder Kontakt zu Beiden brauchen. Negativ werten wir den Verzicht des Bundesrates, die Verweigerung des Besuchsrechts verbindilcher zu ahnden und die Bedeutung der Mediation zu stärken.
männer.ch hält fest, dass die neue gesetzliche Grundlage die Voraussetzungen für mehr elterliche Kooperation schaffen wird, allein aber noch keine Garantie dafür darstellen. Eltern brauchen in der schwierigen Zeit von Trennung und Scheidung kommunikative Kompetenzen und oft auch professionelle Unterstützung, um diese emotional aufreibende Phase einvernehmlich bewältigen zu können. Ebenso darf sich die Rechtssprechung nicht länger an überholten Familienkonzepten (Ernährermodell) orientieren. Hier braucht es neben der Gesetzesrevision weitere Anstrengungen und Entwicklungen.
männer.ch dankt auch EJPD-Vorsteherin Simonetta Sommaruga persönlich für das Engagement und die Ernsthaftigkeit, mit der sie eine gleichstellungspolitisch zukunftsfähige Vorlage vorangetrieben hat. Wir hoffen, dass das Bundesparlament der vorgeschlagenen Linie folgen wird.

