USA: No future im Puerarchat?

Donnerstag, 17. November 2016
Nicolas Zogg
2 Kommentare

Was geschieht, wenn der "Junge im Mann" die Macht übernimmt? Wohin steuert die USA mit Donald im Trump? Wird das mächtige Land bald von unreifen Männern regiert?

Christoph Walser, Fachmann für Geschlechterfragen und Gründungsmitglied von männer.ch, zur möglichen Zukunft im Puerarchat.

Ja, richtig gelesen: Puer-archat, nicht Patriarchat. Nach diesen Wahlen wird für mich eine Gesellschaftsanalyse wieder aktuell, die bereits in den 90er-Jahren in der amerikanischen Männerbewegung kursierte: eigentlich leben wir nicht in einer Herrschaft von Vätern (patres), sondern von unreifen Jungs (pueri). Ich finde diese Sicht erhellend, um die Wahl Donald Trumps männerspezifisch und herrschaftskritisch zu verstehen. Im 70-jährigen Trump scheint immer mal wieder ein unreifer Donald die Regie zu übernehmen. Im Buch „Die Stärken des Mannes“ (Moore/Gillette, Kösel 1992) meint man ein Psychogramm vom wahlkämpfenden Herrn Trump und weiteren Populisten auf dieser Welt zu lesen: „Es sind Jungen, die so tun, als seien sie Männer. In aller Rechtschaffenheit sind sie so geworden, weil ihnen nie jemand gezeigt hat, was ein gereifter Mann ist. Ihre Art von „Männlichkeit“ ist nur eine Attrappe von Männlichkeit. Ständig verwechseln wir das herrschsüchtige, drohende und feindselige Verhalten dieser Männer mit Stärke. In Wirklichkeit zeigen sie eine tieferliegende, grosse Verwundbarkeit und Schwäche, die Verletzlichkeit des kleinen Jungen. In Deutschland kam damals Volker Elis Pilgrim im Buch „Muttersöhne“ (1989), einer Studie zu Psyche und Politik von Despoten, zu ähnlichen Schlüssen.

Unreife Jungs prahlen, sie markieren den starken Mann. Sie bauen ihre Stärke auf mit der Abwertung von Menschen, die anders sind als sie. Sie sind fixiert aufs Siegen und brauchen Verlierer, um sich gut zu fühlen. Deshalb müssen sie ständig spalten in Gewinner und Verlierer. Heterosexuelle unreife Männer schwanken Frauen gegenüber permanent zwischen Anbetung und Abstossung.

Der pubertäre Junge im Herrn Trump hat im Wahlkampf dauernd andere Menschen und  Minderheiten abgewertet, sich frauenverachtend verhalten und als Sieger inszeniert: „Only I can do it“. In einem Interview sagte er: „Mein ganzes Leben dreht sich ums Siegen. Ich verliere nicht oft. Ich verliere fast nie“ (Weltwoche 45/2016). Er hat damit die ganze Nation gespalten und das Wahlsystem gibt ihm recht: „the winner takes it all“.

Aber unreife Jungs können eben auch begeistern. Sie versprechen Genuss und Abenteuer und mit ihren grandiosen Bildern von der Zukunft das Blaue vom Himmel herunter. Das kann begrabene Träume wecken und unglaubliche Energien freisetzen. Der Junge im Grossvater Trump hat es geschafft, den „american dream“ bei Massen von Frauen und Männern neu zu beleben: du schaffst es, aus deinem ökonomischen Tief und Elend herauszukommen, wenn du nur willst, und ich helfe dir dabei, deinen grossen Traum vom Reichtum ohne Ende zu realisieren.

Er hat Dinge versprochen, die er nie wird einhalten können. Egal. Er hatte nie ein politisches Amt inne und traut sich zu, Präsident der USA zu sein. Egal. Er ist ein Pokerer  und kein Menschenfreund. Egal. Je stärker der Verdienst zwischen 2004 und 2014 gesunken war, desto höher hat Trump in den Vorwahlen gewonnen. Er ist der Dealer mit dem „Opium des Volkes“: so tief ich jetzt auch im Elend stecke, ich werde ein Gewinner sein.

Wenn diese Analyse zutrifft, so ist zu hoffen, dass das Amt zu anspruchsvoll ist für diesen Mann, er dies noch rechtzeitig einsieht oder einsehen muss. Oder dass wenigstens neben ihm möglichst viele reife, kompetente Männer und Frauen diesen Staat in die Zukunft führen. Vergessen wir nicht die undiplomatische Aussage von Obama vor den Wahlen, als Trumps Berater diesem verboten zu twittern: „Wenn einer nicht mit seinem Twitter-Account umgehen kann, kann er nicht mit den nuklearen Codes umgehen“ – Junge, Junge...

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Kommentare

Falsch. Völlig falsch.
Trump ist mehr StaatsMANN als H. Clinton es je sein könnte, denn er ist unabhängig von der Finanzierung durch die WallStree, unabhängi von den Meien, und unabhängig vom MIK (Militärisch industriellen Komplex). Beweis: Er will keine Eskalation in Osteuropa, sondern wüncht mit Putin ein "freundscaftliches Verhältnis". DAS ist männlich.
Er hat(te) MUT gegen das Establishment anzutreten. Er winselt nicht vor der political correctness, er hat MUT, Fehler amerikanischer Aussenpolitik anzuprechen, (Irak, Lybien) er hat die Bescheidenheit, sich aus anderen Ländern heraushalten zu wollen,.. Also, Walser, Ihr Angriff auf Trump scheitert an den Fakten.
So wenig es mir leid tut- auch SIE und die "postheroischen Männer" sind nach Trump "Geschichte".
http://maennerschmie.de/index.php/2016/02/07/maenner-nach-koeln/

Lieber Thomas Fügner

Die Aussagen mit der Unabhängigkeit lasse ich mal so stehen. Ich verstehe, dass das, was du an Trump als mutig und männlich bezeichnest, dich anzieht. Für mich ist das hauptsächlich Schaumschlägerei, auch wenn einzelne Aspekte auch positive Auswirkungen haben mögen. Aber wie steht es mit dem Mut, eigene Schwächen und Lügen zuzugeben? Sich seinen Schattenseiten zu stellen? Das ist für mich echter Mut. Wirkt vielleicht auf den ersten Blick nicht ebenso 'heldenhaft' - dafür aber zum Vorteil aller.