Wenn Mann mit dem Patriarchat verdammt wird

Dienstag, 6. Dezember 2016
Nicolas Zogg
2 Kommentare

Wie empfindet ein von Missbrauch betroffener Mann die Diskussion um den #SchweizerAufschrei? Wieso sind für ihn einige Aussagen von Feministinnen stark verallgemeinernd und männerfeindlich? Michael Rack äussert sich zu unserem letzten Stammtischthema: der Mann im Patriarchat. Er ist Produktionsleiter in einer Stahlbaufirma und aus Frankfurt am Main.

Das Patriachat

Ich könnte so viele Gründe nennen, weshalb das Patriarchat für uns Männer, für Frauen und für uns Menschen im Gesamten positive wie negative Auswirkungen hat. Doch das ist ja nicht die Frage gewesen. So will ich nur kurze Denkanstösse mit einbringen:

  • Ist derjenige, der Macht hat, auch immer gleich ein Unterdrücker?
  • Kennt ihr eine Geschichte (egal wie alt), in der ein Mann als Held betitelt wird, indem er eine Frau schlägt und unterwirft, und nicht bereit ist seinen Tod zu jeder Zeit für ihr Wohl in Kauf zu nehmen (abgesehen von religiösen Büchern)?
  • Wir leben in der ERSTEN recht kurzen Zeitspanne, die wir geschichtlich ersehen können, in der wir in Europa keinen Krieg haben. Wenn wir in Kriegszeiten wählen könnten - wären wir lieber Mann oder Frau? Und was sagt das über die vergangenen 1000en von Jahren über das Patriarchat aus?

Ich denke ihr kennt viele Beispiele, in denen Männer durch das Patriarchat benachteiligt sind, da auch die Anti-Feministen sie immer und immer wieder hoch und runter beten. Deshalb halte ich mich hier zurück und möchte nur deutlich an dieser Stelle meine Position klarmachen. Nach jahrelanger Auseinandersetzung mit dieser Thematik vertrete ich den Standpunkt, dass das Patriarchat nur so einseitig betrachtet wird, weil Männer die Macht haben bzw. hatten, und somit Frauen ihre Benachteiligungen laut und deutlich gegen die Männer kund tun. Hingegen können Männer sich für ihre Benachteiligungen nur selber zur Verantwortung ziehen.

Wie fühlt es sich für mich an, wenn das Patriarchat verdammt wird

Wenn erkannt wird, dass dieses "Lebensmodell" ausgedient hat, und es für beide gleichermassen positive Auswirkungen hat es zu wechseln, dann stehe ich da voll und ganz dahinter. Doch wie fühlt es sich für mich an, wenn Männern im Allgemeinem öffentlich ALLE Schuld und Privilegien zugewiesen werden? Eine Freundin fragte mich mal: "Findest du, dass Männer überhaupt Sexismus erfahren können?"

Meine Antwort darauf: "Im direkten Kontakt zwischen Mann und Frau ist das eher schwierig, da mir eine Frau selten in gleicher Weise körperlich überlegen sein wird wie umgekehrt, und ich dadurch selten grosse Ängste haben muss, wenn mir diese zu nahe kommt. Doch wo wir Männer ständig Sexismus ausgesetzt sind, ist in der Öffentlichkeit. Es tut weh zu sehn, dass es kein Problem ist, als Politiker in der Öffentlichkeit Dinge wie "alle Männer sind potenzielle Vergewaltiger" zu sagen und dafür sogar Beifall zu erhalten. Es verletzt mich zu Tode zu sehen, wie selbstverständlich Frauen in meinem direktem Umfeld die härtesten und gemeinsten Dinge über Männer sagen, und dass alle das für selbstverständlich halten. Es hat Jahre gedauert meine eigene Sexualität als etwas Schönes und nicht etwas Negatives, wenn nicht sogar Perverses, zu sehen - nur weil es normal ist, in unserer Gesellschaft genau so über die männliche Sexualität zu reden. Es tut weh, für jeden schlechten Mann der vergewaltigt, der Gewalt anwendet, der sich öffentlich sexistisch äußert oder sonst wie negativ auffällt, mitverantwortlich gemacht zu werden. Für die Kriege dieser Welt, dafür das unsere Opas und Väter uns danach nicht beibringen konnten, wie wir mit Gefühlen umgehen können. Für die Wirtschaftskrisen, dafür dass Frauen sich wegen ihres Äusseren unter Druck setzen, für jeden noch so kleinen negativen Aspekt des Lebens - und wenn es ist, dass kleine Mädchen pink mögen. Ich halte das manchmal fast nicht mehr aus und habe das Gefühl, von diesem Geröll aus Hass und negativer Propaganda überrollt zu werden. Als junger Mann dachte ich selber tatsächlich, dass mein Geschlecht "das Böse" verkörpert und sehe heute noch viele Männer, die dasselbe denken. Wenn wir den heutigen Medien glauben schenken, sind wir Männer (bzw. das Patriarchat) ausnahmslos an allem Schuld und ein kollektiver Selbstmord aller Männer wäre der einzige Weg zu einer friedlichen Welt. Also kurz….ja, wir erleben Sexismus und ja, manche Männer wie mich verletzt es sehr."

So weit so gut meine emotionale Antwort. Jedoch zielt die Frage ja auf die persönlichen Befindlichkeiten ab, und so wollte ich auch eine rein emotionale Antwort geben. Das diese eventuell etwas überspitzt ist, gestehe ich ein und will nochmal vermerken, dass ich geschlechterpolitisch stets davon Abstand halte, und rein sachlich argumentiere, und dies auch von meinem Gegenüber verlange.

Welche Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten ich sehe

Wir sollten versuchen uns klar zu machen, dass wir uns diese "Schuld-für-alles" nicht aufladen lassen sollten, die männlichen Benachteiligungen von damals und heute klar vor Augen zu halten und gleichzeitig aufzuzeigen, in welchen Bereichen wir Frauen unterstützen müssen. Diese Linie hält mich persönlich und politisch sehr zentriert und hilft mir, das stetige "Männerbashing" an mir abprallen zu lassen.

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Kommentare

Klassischer Fall von fehlender Unterscheidung zwischen gesellschaftlicher Rolle und individuellem Handeln. Kritische Männlichkeit sieht für mich anders aus.

die Gehälter müssen endlich gleich sein, dann ist eine Frau auch nicht mehr abhängig vom Mann und sucht zwangsläufig keinen Ernährer. Männer müssen sich in der Öffentlichkeit bei jedem Fall der in Zeitungen erscheint gegen Gewalt an Frauen äussern. Und sie sollten sich Respekt einfordern von ihren Partnerinnen, aber auch vom Gesetzgeber wie z.Bsp. die fehlenden Väter-Rechte bei nicht verheirateten. Wieso gehen soviele Männer zu Prostituierten, warum sind sie zuhause bei ihren Frauen oft so feig um mehr Sexualität einzufordern? Wieso geben sie oft der keifenden Frau nach ? Mehr Mut bitte. Männer haben soviel Gute Kraft, dafür lieben wir Frauen sie.

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