Gewalt an Frauen - and what about men?

Freitag, 17. August 2018
Nicolas Zogg

Wird über Gewalt von Männern an Frauen gesprochen, schreien sofort einige Männer auf. Der Vorwurf: alle Männer würden in einen Topf geworfen. Und Männer seien ja auch - oder sogar noch häufiger - Opfer von Gewalt. Dabei hat Gewalt an Frauen dieselbe Ursache wie die Gewalt an vermeintlich schwächeren Männern. Und diese gilt es gemeinsam zu bekämpfen.

Ein Gastbeitrag von Johannes Sieber.

Liebe Männer

Wo immer Gewalt von Männern an Frauen les-, hör- und sichtbar gemacht wird, beklagen wir uns über Verallgemeinerung, wir Männer würden mit Gewalttätern in einen Topf geworfen. Einige vermissen in der Diskussion den Hinweis auf die Gewalt von Frauen oder auf die Gewalt an Männern – und liefern diesen nach.

Dieser Einwand wird als ‘Whataboutism’ zurückgewiesen. Es ginge hier und jetzt um die Gewalt an Frauen. Nur dieser Fokus würde erlauben, das Thema zu vertiefen und dem Problem auf den Grund zu gehen. Und überhaupt müssten wir Männer es aushalten können, dass sich die Welt für einmal nicht um uns dreht.

Die Diskussion ist für uns Männer unbefriedigend, weil unsere Teilnahme zwar gewollt, etwas Nützliches beizutragen aber schwierig ist: Kritik scheint unerwünscht, Zugeständnisse wirken scheinheilig, Geloben von Besserung ist heuchlerisch, wenn nicht gewusst wie.

Was Mann verstehen muss: Der reklamierte Fokus und die in der Diskussion latent mitschwingende Verallgemeinerung ist keine Umkehrung von Sexismus, wie viele von uns das empfinden, sondern das Resultat einer erfolgreichen Politik. Einer Politik, die sich nicht erst seit gestern für eine geschlechtergerechte Welt einsetzt: Unter anderem für gleiche Rechte, für gleichen Lohn, gegen Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts und: gegen Gewalt an Frauen.

So diskutierten wir schon unter #schweizeraufschrei und #metoo nicht eigentlich die Gewalt und den sexuellen Übergriff an und für sich, sondern Gewalt als Ausdruck des gesellschaftlichen Machtgefälles zwischen Mann und Frau.

Die Frage ist, inwiefern uns die Diskussion weiterbringt. Uns Männer. Wohl ist die Gewalt an Frauen ein Problem, aber nicht die Ursache. Wohl ist der Hinweis auf Gewalt an Männern berechtigt, aber nicht die Lösung.

Gewalt an Frauen hat dieselbe Ursache wie die Gewalt an vermeintlich schwächeren Männern, an Schwulen, an Transgender und an anderen Menschen, die sich im Auge des Täters aus irgendeinem Grund dazu eignen, zwecks Bestätigung des eigenen, gefühlt höheren Status missbraucht zu werden.

Die Ursache ist die Idee, der körperlich Überlegene, der finanziell Bevorteilte und der gesellschaftlich Bessergestellte habe mehr Rechte und könne diese geltend machen. Diese Idee gilt es zu bekämpfen.

 

Johannes Sieber ist soziokulturell engagiert in Basel und Zürich. www.johannes-sieber.ch

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