männer.ch begrüsst geschlechtergerechtes Dienstpflichtsystem und kritisiert einseitigen Blick auf Armee

28 Jun 17
Nicolas Zogg
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Für männer.ch ist klar: eine Dienstpflicht muss für alle gelten oder für niemanden. Deshalb begrüsst der Schweizer Dachverband der Männer- und Väterorganisationen den Vorschlag des Bundesrates, das „norwegische Modell“ genauer zu prüfen. Allerdings lehnt es der Verband ab, einzig der Armee neue Personalressourcen zuzuführen, ohne das Dienstpflichtsystem grundlegend zu überprüfen.

Dass eine Dienstpflicht nur für Männer eine diskriminierende Ungleichbehandlung darstellt, sieht auch die Studiengruppe des Bundes, die den Bericht zur Zukunft des Dienstpflichtsystems erstellt hat. Im Gegensatz zu dieser findet männer.ch: ein geschlechtergerechtes Dienstmodell muss ebenso wie Lohngleichheit und die Abschaffung sämtlicher Diskriminierungen jetzt angegangen werden.

Für männer.ch bietet ein geschlechtergerechtes Dienstpflichtsystem zahlreiche gleichstellungspolitische Chancen:

  • Geschlechterstereotypen werden aufgeweicht. Dass Männer Windeln wechseln ist zunehmend normal. Aber das Bild von Frauen an der Waffe verstört nach wie vor.
  • Gleichstellung bedeutet gleiche gesellschaftliche Rollenverteilung, sowohl bei der Carearbeit wie bei der Verteidigung.
  • Eine Wehrpflicht nur für Männer reproduziert reduzierte Männlichkeit zum Schaden der ganzen Gesellschaft. Der Drill an der Waffe erfordert eine Abhärtung. Wehrpflichtige, die Schwäche zeigen, werden als „schwul“ oder „weiblich“ beschimpft. Dieser doppelte Sexismus prägt junge Männer und die ganze Gesellschaft.
  • Die Sicherheitspolitik wird stark von der Armee geprägt – und alle Geschlechter müssen darin vertreten sein. Falls die in der Armee geknüpften Netzwerke einen Nutzen haben, sollen auch Frauen Zugang finden.
  • Solange Elternurlaub und Teilzeitarbeit in der Armee nicht möglich sind, verhindert eine einseitige Dienstpflicht die faire Verteilung der familiären Betreuungspflichten.

Männer.ch lehnt es deshalb ab, vorschnell den Personalpool der Armee um die Frauen zu vergrössern, ohne grundsätzliche Gedanken zum Dienstpflichtsystem zu machen. Insbesondere findet männer.ch, dass die Diskriminierung von Zivildienstleistenden sofort beendet werden muss. Zivis erfüllen ihre Bürgerpflicht, entsprechen darin jedoch nicht dem männlichen Stereotyp und verweigern sich der Anwendung von Gewalt. Die muss aus gesellschaftspolitischer Sicht belohnt werden.

Weiter hat die Armee offensichtlich Mühe, ihre Angehörigen zu motivieren bzw. einen sinnstiftenden Auftrag auszuüben. Deshalb muss der Blick erweitert werden, um ein zukunftsfähiges Dienstpflichtsystem zu gestalten, das den Bedürfnissen der Gesellschaft und nicht nur der Armee gerecht wird:

  • Eine allgemeine Dienstpflicht mit freier Wahl zwischen Sozial-, Umwelt- oder Katastrophenschutzdienst oder Armee muss ebenfalls vertieft geprüft werden.
  • Einbezug von Carearbeit: gemeinnützige Arbeit wie die Pflege und Betreuung von Kindern und Angehörigen könnte an den Dienst angerechnet werden.

Für Rückfragen: Nicolas Zogg, 077 436 00 44, zogg@maenner.ch

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Kommentare

"Eine Wehrpflicht nur für Männer reproduziert reduzierte Männlichkeit zum Schaden der ganzen Gesellschaft."
In erster Linie reproduziert eine Wehrpflicht nur für Männer eine extreme Benachteiligung für Männer. Diese ist so extrem, dass sie schlimmstenfalls zum gewaltsamen Tod führen kann.

Wer, wie Frauen, die selben Rechte haben will, hat gefälligst auch die selben Pflichten zu übernehmen. Dazu braucht es auch keine Teilzeit, Elternzeit und Kitas in Kasernen. Die Wehrpflicht macht Menschen zu Soldaten, die andere Menschen töten sollen - und dabei ggf. selbst ihr Leben lassen müssen. Das ist kein Kindergarten!
Die Familienplanung beginnt im Übrigen meist erst nach dem Ableisten der Wehrpflicht. Eingezogen wurde (bei uns in Deutschland) bis zu einem Höchstalter von 24 Jahren einschließlich.
Kaum jemand hat mit unter 25 Jahren schon für Nachwuchs gesorgt. Und falls doch, konnte das früher auch ohne Teilzeit und Kita gelöst werden. Dafür wurde dann ein Trennungsgeld gezahlt, mit dem man bspw. eine Tagesmutter engagieren könnte.

Der entscheidende und wesentliche Punkt ist aber nach wie vor, dass die Diskriminierung von Jungen bzw. Männern beendet werden muss! Entweder gilt für beide Geschlechter eine Dienstpflicht oder gar nicht! Was dann auch auf Ersatzdienste auszuweiten ist.

Die Wehrpflicht sollte abgeschafft werden. Fast jede Diktatur hat Wehrpflicht, fast keine Demokratie.
Rein militärisch ist es ein Anachronismus, die Massenarmeen sind den hoch ausgebildeten Berufsarmeen unterlegen.
Und es ist eine Menschenrechtsverletzung, Leute zu einem Zwangsdienst heranzuziehen und dazu noch an der Waffe.
Gleichberechtigung von Mann und Frau sollte man hier erreichen. Aber nicht durch Dienstpflicht für Frauen, sondern durch Abschaffung der Wehrpflicht.
Man kann Dinge wie freiwilliges soziales Jahr fördern und die Armee wird immer Leute finden, die freiwillig dorthin wollen, vor allem, wenn sie etwas bezahlt.

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