Corona hat die Schweiz und die Welt fest im Griff. Das Thema dominiert alle Medienberichte und betrifft uns alle – auch uns bei männer.ch: Veranstaltungen werden abgesagt oder verschoben, das Team arbeitet im Home-Office, Sitzungen finden nur noch virtuell statt. Man kann sich der Auseinandersetzung mit dem Virus nur schwer entziehen. Diese Auseinandersetzung offenbart auch Zusammenhänge zu Geschlecht und Männlichkeit. Denn die Care-Arbeit übernehmen faktisch vorwiegend Frauen.

Das Corona-Virus zwingt uns zur Auseinandersetzung mit bis anhin als selbstverständlich hingenommenen Dingen. Plötzlich treten Verhaltensweisen und Zusammenhänge ins Bewusstsein, die sonst vom Schleier des Alltags verdeckt bleiben. Man merkt, wie viel man die ganze Zeit konsumiert. Wie viele Oberflächen man den ganzen Tag so anfasst (und wie oft sich selbst ins Gesicht!). Wie nahe man tagtäglich einer hohen Zahl an Menschen kommt. Wie in unserer globalisierten Welt alles in Verbindung steht. Das Corona-Virus zwingt Gesellschaften, Gemeinschaften und Individuen zur Beantwortung vieler Fragen. Fragen mit einer hohen Dringlichkeit: Wie wollen wir all das organisieren? Wie können wir das Gesundheitssystem und die Wirtschaft vor dem Zusammenbruch bewahren? Was können wir den ganzen Tag zu Hause machen? Was ist wirklich wichtig im Leben? Und wieso brauchen manche Menschen plötzlich so viel Toilettenpapier?!

Solche Fragen betreffen nun plötzlich Alle. Doch was hat die Corona-Krise nun mit Männern, Männlichkeit und den Geschlechterverhältnissen zu tun? Einiges! Denn jetzt zeigt sich auf ultimative Weise die Wichtigkeit von Sorgearbeit, die tagtäglich verrichtet wird. Und es wird sichtbar, wie weiblich Sorgearbeit geprägt ist. Um mal das Gesundheitswesen zu nehmen, von dessen Funktionieren nun so vieles abhängt: In Schweizer Spitälern arbeiten über 100’000 Menschen. Davon sind 80’000 Frauen. Beim Pflegepersonal ist der Frauenanteil 85%. (1) Auch abseits von Care-Berufen wird man fündig. Schaut man sich mal im Detailhandel um, stellt man fest: Das Kassenpersonal ist überwiegend weiblich. Jetzt zeigt sich, welche Berufe systemrelevant sind. (2) Natürlich gibt es auch eine grosse Menge an Männern, die in unverzichtbaren Berufen arbeiten: Mechaniker und andere Handwerker, Stadtreiniger, Verwaltungspersonal, Ärzte usw. Das stellt niemand in Abrede. Doch trotzdem tritt uns jetzt die Wichtigkeit der täglich gemachten und oft unsichtbaren Sorgearbeit so unmittelbar vor die Augen, dass eine Beschäftigung damit absolut notwendig wird.

Denn: Zusätzlich zu den oben erwähnten Arbeiten müssen jetzt zigtausend Kinder zu Hause betreut werden, weil der reguläre Schulunterricht ausgesetzt wurde. Und Schweizer Familien funktionieren nach wie vor recht traditionell. In 60% der Paarhaushalten wird die Hausarbeit insgesamt hauptsächlich von Frauen erledigt und auch die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung tragen in der Regel die Mütter. (3) Was ist daraus zu schliessen? Ganz einfach: Männer, leistet euren Teil der Sorgearbeit! Bleibt zu Hause, schaut zu den Kindern, unterrichtet sie im Homeschooling, macht euren Teil der Hausarbeit. Ihr könnt das! Wenn wir diese Krise auf eine faire Art und weise bewältigen wollen, braucht es Männer, die ihre Verantwortung wahrnehmen. Jetzt zeigt sich die Wichtigkeit von caring masculinities für eine geschlechtergerechte Gesellschaft.

Unsere Forderungen sind klar:

  • Wir wollen eine faire Verteilung aller gesellschaftlichen Aufgaben zwischen den Geschlechtern. Sonst sind die Herausforderungen der Zukunft nicht zu meistern. Wenn man die Gleichstellung der Geschlechter, wie sie in Artikel 8, Absatz 3 der Bundesverfassung (4) festgeschrieben ist, ernst nimmt, heisst dies: 50/50.
  • Wir wollen mehr Wertschätzung für Care-Tätigkeiten und bessere Bezahlung von Care-Berufen auch nach der Corona-Krise. Wir wollen Jungen und Männer ermutigen, sich mehr in solche weiblich konnotierte Berufsfelder vorzuwagen.
  • Wir wollen bessere politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Mehr Teilzeitarbeit auch für Männer, Vaterschaftsurlaub oder Elternzeit mit substantiellem, unübertragbarem Teil für den Vater, Individualbesteuerung, mehr bezahlbare Krippenplätze. Wir wollen Väter ermuntern, ihre Vaterschaft engagiert und alltagsnah wahrzunehmen.

Wir wollen, dass diese (und die nächste) Krise auch dank caring masculinities zu meistern ist!

(1) https://www.obsan.admin.ch/sites/default/files/publications/2017/obsan_71_bericht_korr.pdf?fbclid=IwAR1tEBngLpd3Bvgu02OqX8QTAxcHYoeiAiX7XBnDhPN_u0g9YU_ANE3fww4
(2) https://de.statista.com/infografik/21148/anteil-der-sozialversicherungspflichtig-beschaeftigten-nach-wirtschaftszweigen/?fbclid=IwAR20VxQISOjM_9T9RU2RWf82RijgyeYkdlEQOWsZG7_F0m5Ul5yKsH-a2iE
(3) https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung/erhebungen/efg.assetdetail.10467788.html
(4) «Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre rechtliche und tatsächliche Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.» (https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19995395/index.html)

Verantwortlicher Betrieb und Kommunikation

Valentin arbeitet seit April 2019 für männer.ch. Er ist verantwortlich für unsere Kommunikationskanäle und kümmert sich um die Mitgliederbetreuung und Administration. Zudem ist er im fachlichen und politischen Bereich tätig. Valentin lebt in Basel.

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