Vereinbarkeit: Auch ein Thema für Ihre Mitarbeiter

 
Aus betrieblicher Sicht werden Fragen rund um die Familiengründung und um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nach wie vor in erster Linie aus der Perspektive der Mitarbeiterinnen thematisiert und damit zu einem «weiblichen» Thema gemacht. Projekte und Unterstützungsmassnahmen sind denn auch oft auf Frauen ausgerichtet. Männer selbst artikulieren ihre Vereinbarkeitsanliegen im Unternehmen generell nur sehr zurückhaltend. Als Väter und Personen mit Betreuungsaufgaben werden Mitarbeiter selten wahrgenommen
 

Herausforderungen 

Die berufliche Karriere ist für viele Männer in der Schweiz zwar immer noch von zentraler Bedeutung in ihrem Leben. Deren Stellenwert im Hinblick auf ein sinnerfülltes und glückliches Leben wird aber zusehends geringer, die Bedeutung von Familie und auch der Kinderwunsch wird im Männerleben wichtiger. Das Bedürfnis von Männern, für familiäre und andere Aktivitäten mehr Zeit zur Verfügung zu haben, kann nicht übersehen werden: So hat die erste repräsentative Befragung in der Schweiz – durchgeführt von Pro Familia Schweiz im Auftrag des Kantons St. Gallen – deutlich gemacht, dass 9 von 10 Männern gerne weniger arbeiten möchten und dafür sogar Lohnbussen in Kauf nehmen würden. Dieser Trend dürfte sich angesichts der Wertorientierung der jüngeren Generation – die Generation Y – noch verstärken.

Dies stellt für Unternehmen eine grosse Herausforderung dar: Sie stehen vor der Aufgabe, ihre Mitarbeiter in Zukunft nicht nur als Berufsmänner, sondern auch als Menschen und Väter ernst zu nehmen. Dabei kann nicht übersehen werden, dass die Erwartungen an einen zunehmenden familiären Einsatz von Vätern zu einem Vereinbarkeitsproblem führt. Jedoch packen sowohl die betroffenen Männer wie auch die Unternehmen diese Herausforderung sehr zögerlich an. In der Realität opfern Männer zugunsten von Familie und Beruf ihre Eigenzeit; so ist ihre Gesamtarbeitsbelastung in den letzten Jahren stetig gestiegen, ohne dass sie ihr Erwerbspensum reduziert hätten. Das schlägt sich nicht zuletzt auf ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit nieder und führt langfristig zu massiven volkswirtschaftlichen Folgekosten. Stressprävention und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind auch im Unternehmen vermehrt in diesem Zusammenhang zu betrachten.

Lösungsansätze 

Den spezifischen Problemen, welche sich bei der Vereinbarung von Beruf und Familie in der klassischen Männerbiografie ergeben, muss auch im betrieblichen Kontext mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wir wissen aus der Männer- und Väterarbeit: Die Aufforderung und Anerkennung von aussen – gerade auch vom Arbeitgeber – ist wichtig für Männer. Es braucht deshalb mehr als ein stilles Tolerieren familiärer Verpflichtungen. 

Es liegt im Interesse der Unternehmen, durch entsprechende Massnahmen die «Väterfreundlichkeit» zu erhöhen und so den veränderten Erwartungen und Bedürfnissen der Männer Rechnung zu tragen. Wie verschiedene Studien zeigen, lohnen sich entsprechende Massnahmen letztlich auch wirtschaftlich: Gelingt Vereinbarkeit, sind Mitarbeitende produktiver, effizienter, weniger krank und dem Unternehmen gegenüber treuer. Es müssen auch Wege gefunden werden, damit flexiblere Arbeitsformen nicht nur in grossen Unternehmen und in städtischen Gebieten, sondern auch in KMU’s und im ländlichen Raum möglich werden.

Praxisbeispiele 

  • Mit dem Crashkurs für werdende Väter beschenken Unternehmen ihre Mitarbeiter in der Zeit der Familiengründung mit einem Kursangebot, das Fragen rund um die Vereinbarkeit von Beruf und Vaterschaft ins Zentrum stellt.
  • Mit der Plattform und der Kampagne DER TEILZEITMANN stehen Unternehmen Ideen und Angebote zur Verfügung, wie die zeitliche Flexibilität im Unternehmen und damit auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöht werden kann.
  • Das Instrument family score von Pro Familia Schweiz gibt Unternehmen ein Instrument an die Hand, um die Situation bezüglich Vereinbarkeit von Beruf und Familie im eigenen Betrieb zu erfassen und Massnahmen zur Verbesserung einzuleiten. Zudem besteht die Möglichkeit, sich in diesem Rahmen um den Family Score Award zu bewerben und sich so als familienfreundliches Unternehmen auszeichnen zu lassen.
  • Im Angebot timeout-statt-burnout wurden in den letzten Jahren wirksame Methoden entwickelt, wie Mitarbeiter dem Ausbrennen aktiv vorbeugen und regelmässig für Entlastung und Erholung sorgen können.
  • Im Projekt Vätergeschichten hat sich gezeigt, wie sich narrative Ansätze eignen, um Väterlichkeit im Unternehmen zur Sprache zu bringen. Zwischen Firmengeschichten und Vätergeschichten lasen sich gerade auch in KMUs oft direkte Verbindungen knüpfen.